Passionszeit: Wie begehen die LWB-Mitgliedskirchen diese Wochen im Kirchenjahr?

Die Passionszeit ist für lutherische Gläubige überall auf der Welt eine Zeit, um die eigene Glaubensidentität zu bekräftigen und sich Gedanken über die verschiedenen gesellschaftlichen Chancen und Herausforderungen zu machen. 

06 März 2025
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Die Passionszeit kann als Einladung verstanden werden, „Christus in spiritueller Hinsicht näher zu kommen und gleichzeitig auf die Liebe Christi durch mitfühlendes Handeln für andere zu reagieren“. Foto: LWB/Albin Hillert

Die Passionszeit kann als Einladung verstanden werden, „Christus in spiritueller Hinsicht näher zu kommen und gleichzeitig auf die Liebe Christi durch mitfühlendes Handeln für andere zu reagieren“. Foto: LWB/Albin Hillert

Einladung, Christus näherzukommen  

(LWI) – Die Passionszeit in den rund sieben Wochen vor Ostern ist eine Zeit, in der christliche Gläubige der Leidensgeschichte Jesu gedenken: der Verurteilung, dem Verrat und der Kreuzigung. Sie wird auch als Zeit der Buße bezeichnet, da sich viele Gläubige Zeit für Besinnung und Gebet nehmen. 

In der lutherischen Kirchengemeinschaft wird die Passionszeit auf viele unterschiedliche Arten und Weisen begangen. 

Kontakt mit Unterdrückten 

Die Lutherische Kirche in Singapur (LKS) und die Non-Profit-Organisation Lutheran Community Care Service (LCCS) haben eine Publikation mit dem Titel „Das Evangelium der Passionszeit praktisch leben“ auf Englisch und Chinesisch veröffentlicht. Sie lädt gläubige Menschen zu „gedämpften Jubel“ mit sieben Bibelarbeiten ein. 

„Von den Meditationen zur Passionszeit über den Leidensweg Christi sollte nicht nur die eigene Gemeinde profitieren, sondern auch die unterdrückten, gebrochenen und leidenden Menschen in unserem Umfeld“, sagt Pfr. Martin Yee, der an der Publikation mitgewirkt hat. Die Zusammenarbeit mit dem LCCS und die an die Gemeindemitglieder gerichtete Einladung, zu fasten und stattdessen anderen Menschen etwas zu geben, lässt diese Verbindung konkret werden. 

Widergutmachendes Engagement steht im Mittelpunkt der Arbeit von LCCS. Es bindet Einzelpersonen, Familien und Gemeinwesen aktiv ein, um den Kreislauf des Schmerzes zu durchbrechen und eine prosperierende Gesellschaft aufzubauen, in der sich alle Menschen wertgeschätzt, zu Selbstbestimmung zugerüstet und zugehörig fühlen. 

Auf die gemeinsamen Herausforderungen mit Gerechtigkeit, Anteilnahme und Hoffnung reagieren 

Die LWB-Partnerorganisation Canadian Lutheran World Relief (CLWR) veröffentlichte eine Einladung auf „eine von Reflexion, Engagement und Hoffnung geprägte Reise durch die Passionszeit“.  In jeder Woche der Passionszeit wird dabei ein anderes Thema im Mittelpunkt stehen – Hunger, Sicherheit, Wohlergehen, Identität, Verlust, Gemeinschaft, Natur und Glauben – und der CLWR wird Gedanken darüber formulieren, inwiefern diese Themen unser Leben, unsere Gemeinwesen und unsere Welt prägen. „Mithilfe der Bibel, Diskussionsrunden und praktischem Engagement werden wir uns Gedanken darüber machen, dass Gott uns aufruft, mit Gerechtigkeit, Anteilnahme und Hoffnung zu reagieren“, erklärt das Organisationsteam. „In der Vorbereitung auf das Osterfest kann diese Reise unsere Herzen erneuern, unseren Glauben stärken und uns animieren, Botschafterinnen und Botschafter des Wandels zu sein und die Liebe Christi in der Welt zu verkörpern.“ 

CO2-Fasten für mehr Umweltschutz 

Die Graswurzelbewegung der Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika (ELKA) zur Förderung von Umweltschutz, „Lutherans Restoring Creation“, hat einen Kalender für CO2-Fasten in der Passionszeit entwickelt. Jeden Tag animiert ein Bibelvers zusammen mit einem konkreten Handlungsvorschlag die Menschen, „auf jene Dinge zu verzichten, mit denen wir die Umwelt verschmutzen, anstatt auf Süßigkeiten zu verzichten“. Drei Wochen haben jeweils einen besonderen Schwerpunkt zu den Themen Energieverbrauch, die Entstehung, Vermeidung und Wiederverwertung von Abfall, und die umsichtige Nutzung von Wasser und anderen Ressourcen. „Mögen Sie Gott und Gottes wunderbarer Schöpfung dadurch näherkommen!“, hoffen die Initiatorinnen und Initiatoren der Kampagne.  

Evangeliumsverkündigung durch Musik

Viele Kirchen in West- und Osteuropa haben eine lange und reiche Musiktradition, insbesondere für die Passionszeit. Musik, die das Evangelium verkündigt und während der Passionszeit in Gottesdiensten und Konzerten dargeboten wird, zieht Menschen weit über die Mitgliedschaft der Kirche hinaus an. Johann Sebastian Bach ist in Deutschland und international wahrscheinlich einer der bekanntesten protestantischen Komponisten von Kirchenmusik. Seine Johannespassion und Matthäuspassion, die die Leidensgeschichte und den Tod Jesu ausführlich thematisieren, werden regelmäßig am Karfreitag aufgeführt. Kirchenchöre proben wochen- und monatelang für diese Konzerte. 

Einer der Aufführungsorte von Bachs Johannespassion ist die Frauenkirche Dresden, die zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Deutschland, gehört. Die Kirche ist ein bedeutendes Denkmal für Frieden, das Besuchende daran erinnert, dass Frieden und Versöhnung zwischen früheren Feinden kein utopischer Traum ist, sondern eine reale Möglichkeit sein kann. 

In einem Brief an die Mitgliedskirchen schrieb LWB-Generalsekretärin, Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, die Passionszeit könne als Einladung verstanden werden, „Christus in spiritueller Hinsicht näher zu kommen und gleichzeitig auf die Liebe Christi durch mitfühlendes Handeln für andere zu reagieren“.

LWB/A. Weyermüller